Die Messe in ihren Riten
                erklärt




12. Kapitel: DIE NACHMESSE

Der Schlussteil der hl. Messe gleicht deutlich der Vormesse:
  1. In der Nachmesse wird wieder laut gebetet.
  2. Der Kelch ist wieder mit dem Velum bedeckt.
  3. Das Messbuch steht wieder auf der Epistelseite.
Auch die Gebete der Vor- und Nachmesse entsprechen einander:
  1. Introitus - Communio
  2. Oratio - Postcommunio
  3. Evangelium - Schlussevangelium
  4. Der Altarkuss zu Beginn und am Ende der Messe wird ganz ähnlich vollzogen und ist jeweils von einem stillen Gebet begleitet: Oramus te und Placeat tibi.
So erhält die ganze Messe eine schöne Ordnung und Symmetrie.

Opfermesse
[Opferung / Wandlung / Kommunion]
Vormesse
Nachmesse


Communio

Communio und Postcommunio gehören zu den jeweils wechselnden Eigenteilen der Messe. Ursprünglich war die Communio ein Psalmengesang. Ähnlich wie der Introitus den Einzug zum Altar, so begleitete die Communio die Spendung der hl. Kommunion. Heute ist davon nur noch eine kurze Antiphon geblieben. Gewöhnlich steht die Communio in einer gewissen Beziehung zum Tagesgedanken.

Postcommunio

Gegenstand der Postcommunio ist meistens die Bitte, das Sakrament möge zur vollen Auswirkung kommen. So beten wir beispielsweise am zweiten Adventssonntag: „Gesättigt durch den Genuss der Seelenspeise, bitten wir Dich flehentlich, o Herr: Lehre uns durch die Teilnahme an diesem Geheimnis das Irdische verachten und das Himmlische lieben.“

Ite missa est

In der frühen Kirche und vor allem in Zeiten der Verfolgung beobachteten die Christen eine strikte Arkandisziplin [von arcanus = heimlich]. Die Katechumenen [= Taufbewerber] wurden langsam und schrittweise in die Geheimnisse des Glaubens eingeführt und mit den gottesdienstlichen Riten vertraut gemacht. Vor den Heiden aber schwieg man über die christliche Lehre und den Gottesdienst, um das Heilige zu schützen und es nicht der Gefahr der Profanierung auszusetzen. Dabei dachte man an die Mahnung Jesu: „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie nicht diese zertreten unter ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.“ (Mt 7, 6) Zu diesem Zweck verwendete man gleichsam eine Geheimsprache und erfand einfache Symbole, die nur den Gläubigen verständlich waren und mit deren Hilfe sie sich gegenseitig erkennen konnten.

Eines der bedeutsamsten frühchristlichen Symbole ist der Fisch: Er wird im Wasser geboren, wie auch der Christ im Wasser der Taufe geboren wird. Ein gesunder Fisch kann im Salzwasser leben, ohne selbst salzig zu werden, wie auch ein ‚gesunder‘ Christ den ‚Geschmack‘ der Welt nicht annimmt. Schließlich stehen die einzelnen Buchstaben des griechischen Wortes ‚ichthys‘ [= Fisch] für ein kurzes Glaubensbekenntnis: Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser.“

Im Kontext dieser Arkandisziplin steht auch der Begriff ‚Messe‘. Er ist dem Entlassungsruf „Ite, missa est“ entnommen. „Ite“ [von ire = gehen] bedeutet: „Gehet hin!“ Das ‚missa est‘ ist verwandt mit ‚missio‘ [= Sendung] und würde wörtlich übersetzt bedeuten: „Es ist gesandt worden.“ Nur Eingeweihte sollten verstehen, was damit gemeint war, wenn die Christen von der ‚missa‘ sprachen.

Gewöhnlich wird das „Ite missa est“ gedeutet als Hinweis auf die apostolische Sendung der Kirche: „Gehet hin, ihr seid gesendet!“ Ihr wurdet erleuchtet vom göttlichen Licht und gestärkt mit dem Brot des Lebens. „Verkündet das Evangelium aller Kreatur!“ (Mk 16, 15) Geht hin, in eure Familien, an den Arbeitsplatz, in die Schulen und Universitäten!

Nicht ihr sollt euch der Welt anpassen: „Macht euch nicht die Art dieser Welt zu eigen, sondern wandelt euch um durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist, was gut, wohlgefällig und vollkommen.“ (Röm 12, 2)

Geht vielmehr hin, damit die Welt durch euch gewandelt werde: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz schal geworden ist, womit soll man es salzen? Es taugt zu nichts weiter, als dass es hinausgeworfen und zertreten wird von den Menschen. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt nicht verborgen bleiben, die droben liegt auf dem Berge. Auch zündet man nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit sie allen leuchte, die im Hause sind. So leuchte euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist.“ (Mt 5, 13-16)

Eine ungewohnte, aber schöne Deutung gibt der hl. Thomas von Aquin über das „Ite missa est“ [vgl. S. th. III,83,4 ad 9]. In den Worten „Es ist gesandt worden“ sieht er einen Hinweis darauf, dass in der Messe unser Gebet und Opfer zu Gott emporgesandt und Christus als Opfergabe zu uns hinabgesandt worden ist, worauf die Gläubigen antworten: „Deo gratias! - Dank sei Gott!“

Segen

Vor dem Segen verbeugt sich der Priester tief, legt die gefalteten Hände auf den Altar und spricht leise das Placeat tibi, sancta Trinitas: „Es möge Dir wohlgefallen, heilige Dreifaltigkeit, die Huldigung meines Dienstes. Gewähre, dass das Opfer, das ich Unwürdiger vor den Augen Deiner Majestät dargebracht habe, Dir angenehm sei und mir und allen, für die ich es dargebracht habe, durch Dein Erbarmen zur Versöhnung gereiche.“

Dann küsst er den Altar, erhebt Augen und Hände, vereinigt beide Hände, wendet sich um und macht mit der rechten Hand ein Kreuzzeichen über das Volk. Durch diesen Gestus wird angedeutet, dass aller Segen von oben kommt: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem kein Wechsel ist oder ein Schatten von Veränderung.“ (Jak 1, 17)

SegenZeichen und Quelle allen Segens ist das heilige Kreuz. Auch im alltäglichen Leben soll der Christ stets mit dem Kreuz verbunden sein: „Wenn einer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9, 23) Den wahren Jünger Jesu erkennt man an seinem Verhältnis zum Kreuz. Die Segensformel lautet: „Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn † und der Heilige Geist.“

Schon in der alttestamentlichen mosaischen Segensformel war ein Hinweis auf die allerheiligste Dreifaltigkeit, insofern der Herr dreimal genannt wurde: „So sollt ihr die Israeliten segnen, indem ihr zu ihnen sprecht: ‚Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Antlitz leuchten über dir und sei dir gnädig! Der Herr wende dir sein Angesicht zu und verschaffe dir Heil!‘ So sollen sie also meinen Namen auf die Israeliten legen und ich will sie segnen!“ (Num 6, 23-27)

Der ganze Ritus des Schlusssegens ist ein Bild jenes Segens, den Jesus bei seiner Himmelfahrt auf dem Ölberg den Jüngern gab: „Dann führte er sie bis vor Bethanien hinaus, erhob seine Hände und segnete sie. Es geschah aber, während er sie segnete, schied er von ihnen und wurde emporgetragen zum Himmel. Sie aber fielen anbetend vor ihm nieder und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück.“ (Lk 24, 50-53)

Es ist ganz angemessen, dass die Gläubigen - genau wie die Apostel bei der Himmelfahrt - zum priesterlichen Segen niederknien, denn Gott selbst ist es, der durch die Hand des Priesters segnet.

Im Kontext der Himmelfahrt Jesu steht auch die Erinnerung an die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag, denn als die Jünger zum Himmel hinaufsahen, sprachen die Engel zu ihnen: „Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen zum Himmel.“ (Apg 1, 11) Wenn der Herr einst wiederkommt zum großen Gericht, dann wird er über die Auserwählten zu seiner Rechten den letzten großen Segen sprechen: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters! Nehmt in Besitz das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt.“ (Mt 25, 34)

Schlussevangelium

Segnen kann man nicht nur mit der Hand, sondern ebenso mit einem Kreuz oder einer Reliquie. Auch mit dem Evangelium kann man segnen, denn „lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes doppelt geschliffene Schwert; es dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark, und ist Richter über Gedanken und Regungen des Herzens“ (Hebr 4, 12).

Ursprünglich hatte das Schlussevangelium vor allem den Charakter eines Segens. Wenn der Anfang des Evangeliums feierlich gelesen wird, dann steht der Beginn stellvertretend für das Ganze [pars pro toto]. Deshalb ist es mancherorts Brauch, am Fronleichnamsfest an vier Altären in die vier Himmelsrichtungen jeweils den Anfang der vier Evangelien zu lesen.

Auch inhaltlich finden wir im Schlussevangelium einen höchst passenden Abschluss der hl. Messe, denn es enthält eine wunderbare Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte des Messopfers und der wichtigsten Geheimnisse des Glaubens. Der hl. Apostel und Evangelist Johannes wird zu Recht dargestellt mit dem Symbol des Adlers, denn vom Adler sagt man, er könne mit bloßem Auge in die Sonne schauen. Tatsächlich gleicht der Beginn seines Evangeliums einem adlerhaften Blick in die ewige Sonne der Gottheit: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

In der Gesamtstruktur der Messe steht das Schlussevangelium parallel zum Stufengebet. Während dort die Bitte stand: „Sende aus Dein Licht und Deine Wahrheit“, finden wir im Schlussevangelium gleichsam die Antwort, denn es spricht vom „wahren Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt“.

Von Johannes dem Täufer heißt es: „Ein Mann ward gesandt von Gott.“ Er sollte dem Herrn vorangehn, um ihm den Weg zu bereiten: „Er kam als Zeuge; er sollte Zeugnis geben vom Licht, auf dass alle durch ihn zum Glauben gelangen.“ Weil aber die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht [vgl. Joh 3, 19], musste Johannes dasselbe Schicksal erleiden wie vor ihm die alttestamentlichen Propheten [vgl. Mk 6, 17-29] und wie nach ihm Jesus, gefolgt von einer großen Schar von Blutzeugen.

SchlussevangeliumJesus „war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, all denen, die an seinen Namen glaubten.“

Zu den Worten: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, beugt der Priester anbetend das Knie. Wie das göttliche Wort damals in Nazareth in den Schoß der Jungfrau Maria hinabgestiegen ist, so ist Christus nun auf das Wort des Priesters hin auf den Altar herabgestiegen.

Wer in rechter Weise die hl. Messe mitgefeiert hat und wem es gelungen ist, mit gläubigem Blick ein klein wenig den Schleier des Mysteriums zu lüften, auch der wird sagen können: „Et vidimus gloriam eius - Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit!“

„Deo gratias!“

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